Presse
RTL Regional, Hundesitter mit Anna Funck
Montag, 03. März 2008
http://www.rtlregional.de/player.php?id=1282
Hier einige Clippings ...
Die Frau für alle Felle -Text aus SZENE Hamburg Dez 2009
Der rechte Ellbogen der jungen Frau steckt tief im Maul des massigen Rottweiler-Mischlings. Spitze Eckzähne blitzen auf. Zwischen ihrer Haut und den Fängen des Hundes liegen nur die Stoffschichten von Regenjacke und Pullover. Ihre linke Hand umklammert die Schnauze des Tiers. Andere Hunde preschen heran. Ihre Sprünge hallen dumpf über den feuchten Boden des Fichtenwaldes. Dreizehn sind es, sie umringen die beiden. Einige beginnen, aufgeregt zu bellen. Die anderen bleiben stumm und starren gebannt auf das, was da passiert. „Wenn ein Hund nach mir schnappt, so wie Paul, mach' ich ihm klar, dass er mir keine Angst macht. Ich schieb' ihm dann gleich den ganzen Arm rein", sagt die Frau und lacht.* Daraufhin sieht sie dem Tier fest in die schwarzen Augen. Mit der Hand übt sie Druck auf seinen Kiefer aus, sodass dieser weiter aufklappt. Dann zieht sie ihren Ellbogen heraus. Unversehrt.
Anna Berger ist Dogwalkerin, zu deutsch: Gassigeherin. Zusammen mit ihrem Partner Marcel Hein führt sie die Hundetagesstätte „Dogs and the City"" in Hamburg Winterhude. Für ein paar Stunden oder den ganzen Tag können Hundehalter ihre Vierbeiner dort abgeben. Dreimal täglich geht es raus ins Freie.
Das Etablissement ist edel: Parkettboden, weiße Kronleuchter, pastellgrüne Ziersessel - fast möchte man einen Kaffee bestellen. Wäre da nicht der Geruch: Es duftet nicht nach Wiener Melange sondern nach Hund. Nasser Hund und ein Hauch Lavendel. Hinter einem Tresen aus hellem Birkenholz steht Anna im löchrigen Wollpulli und in verdreckten Baggy-Jeans, dazu ein strähniger blonder Pferdeschwanz und kräftige Hände. Jeden ihrer vierbeinigen Gäste begrüßt sie mit einem jauchzenden „Hallooo!"
Durch eine Tür aus Drahtgitter geht es über einen Korridor in die beiden Spielzimmer. Hinter Gittertoren verstreute Stoffkissen und Kunststoffmatratzen, ein beiger verschlissener Sessel, und eine über Eck gebaute Rampe, die zu einem Hochbett führt. Raum zum Tummeln und Relaxen. Schwänze wedeln, aufgeregtes Hecheln und Jaulen. Durch die Lücken im Gitter recken sich feuchte kalte Hundeschnauzen. Die ersten Gäste sind schon da. Sobald die Truppe komplett ist, geht es los. Anna beißt die Zähne zusammen. Ihre zuckenden Wangenmuskeln verraten: Sie ist angespannt. Eine Strecke von etwa fünf Metern liegt zwischen dem weißen VW-Bus und dem Holztor des Freilaufgeheges im Tangstedter Forst. Sie öffnet die Schiebetür des Busses einen Spalt breit. Das Bellen aus dem Inneren ertönt höher, aufgeregter. 14 Hunde wollen nach der halbstündigen Fahrt endlich raus. Eine Unaufmerksamkeit der schmalen 1-Meter-65-Frau und sie würde von 350 Kilo Hundemeute schlichtweg überrannt. Mit ihrem Körper versperrt sie die Lücke zwischen Tür und Rahmen und greift sich einen Hund. Sie legt ihm die Kordelleine um und lässt ihn heraus springen. Dann noch einen. Scheppernd fällt die Tür ins Schloss. Aus dem Inneren des Transporters dröhnt Protest. Ruhig geleitet Anna die Tiere ins Gehege und nimmt ihnen die Leine ab. Die Hunde verharren am Drahtzaun und beobachten sie. Jene, die am lautesten bellen, läßt sie bis zuletzt im Bus. So lernen sie, dass Anna bestimmt, wo es lang geht. Dem Rottweiler-Mischling Paul wird das Warten zu lang. Sein hektisches Bellen schrillt durch den Wald. Andere Hunde lassen sich anstecken und fallen in das Kläffen ein. Anna schimpft: „Du denkst auch, du bist der Größte! Die Besitzer lassen ihm alles durchgehen. Da weißte, wer zu Hause die Hosen anhat. Und das geht nich'! Bei 'nem Hund in der Größe schon gar nich'." Anna zeigt Paul, dem Neuen im Rudel dass sie der Boss ist. Als er das Bein hebt, kneift sie ihm mit einem schnellen Griff in die Hüfte. Sein Bein senkt sich, unverrichteter Dinge. „Der ist so männlich, dass er überall markieren muss. Immer erstmal die Visitenkarte hinterlegen. Bei mir darf er das nich'."
Anna ist mit Hunden aufgewachsen. Auf einem Bild thront neben ihrer hochschwangeren Mutter auch der Langhaardackel Chica. Im Album steht darunter: „Wann kommt mein Schwesterlein?" Durch das Leben mit Hunden und zehn Jahre Berufserfahrung weiß sie jede Kopfbewegung der Tiere, jedes Schwanzwedeln zu deuten. „So kann ich sie dirigieren, und sie spüren, dass sie sich auf mich verlassen können." Die meisten Probleme zwischen Mensch und Hund hält Anna für hausgemacht. Wie im Fall von Rauhhaardackel Leo. Der ist in den ersten drei Monaten seines Lebens außer seinen Züchtern niemand anderem begegnet. Das Resultat: Leo hat Angst vor fremden Menschen und kläfft hysterisch, sobald er Unbekannte wittert. Seine Besitzer konnten keinen Besuch empfangen, Spaziergänge wurden zum Spießrutenlauf. Auf den Freigängen mit Annas Rudel trifft er immer wieder auf Menschen, die er nicht kennt. Sie konfrontiert ihn gezielt mit seiner Angst und bietet ihm ein alternatives Verhalten an: die Orientierung am Hundeführer. Leo erlebt, dass ihm nichts Schlimmes passiert. Dadurch ist er ruhiger und selbstbewusster geworden. Annas Motto in Sachen Hundeerziehung: Soviel Freiheit wie möglich, soviel Grenzen wie nötig. Das gilt für ängstliche Hasenfüße ebenso wie für vorlaute Rotzlöffel.
„ PAUL!", Annas Stimme schrillt durch den Wald. Der Hund hat in 50 Metern Entfernung eine Spaziergängerin und deren Schäferhund ausgemacht. Auf die rast er jetzt zu. Ist der andere auch ein unkastrierter Rüde und darauf aus, Konkurrenten auszuschalten, kann es für Hund und Halterin gefährlich werden. Anna reißt sich eine Leine von der Schulter. Ohne zu zögern, wirft sie die Kordel in Pauls Richtung. Die Ösen scheppern, als sie auf dem Boden auftreffen. Das wirkt - Paul steht. Anna baut sich vor dem Rüden auf und fixiert ihn. Der Hund blickt zurück, schwanzwedelnd, fast provokant. Anna schnauft. „Der denkt, er sei der Boss. Hätte er Respekt, würde er sich hinter mich setzen und nich' wedelnd vor mir stehen." Statt ihn mit Menschenworten anzubrüllen, tut Anna etwas mit ihrem Körper: „Ich bedränge ihn. So lange, bis er nachgibt." Ohne Paul anzusehen, rempelt sie ihn an. Er weicht zur Seite aus. Noch einmal läuft sie gegen ihn, er geht zwei Schritte zurück, sein Schwanzwedeln wird unsicherer. Ein bisschen sieht es aus wie Tango: Anna führt, Paul tritt nach hinten weg. Etwa 30 Sekunden lang rückt sie dem Rüden auf diese Weise zu Leibe. Dann hat Paul genug. Er trottet um sie herum und schüttelt sich. Es klingt wie das Ausschütteln eines feuchten Handtuchs. Stressabbau. Dann setzt er sich. „Na also, geht doch", lobt Anna mit sanfter Stimme. Es ist ihr erster Erfolg mit dem Rüden. Zur Belohnung hockt sie sich zu ihm hinunter und bietet ihm ein Leckerli an. Paul akzeptiert. Vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft...
*Achtung, nicht gleich nachmachen: Bei einigen Hunden wäre dieser Rat grob fahrlässig. Anna Berger weiß aus Erfahrung, bei welchem Hund sie dieses Risiko eingehen kann und bei welchem nicht.
Text von Ann-Katrin Rahe - Ungewöhnliche Geschäftsideen:
Frühling 2005
Plötzlich wird es laut im hinteren Teil des Autos. Ein Geheul setzt ein und übertönt sogar Pink, die aus dem Radio gerade „Get the Party Started“ johlt. Noch eine Links-kurve und der Wagen kommt zum Stehen. Als die hintere Autotür geöffnet wird, springen fünfzehn Hunde ins Freie.
Die Vierbeiner bellen und balgen sich, laufen aber nicht außer Sichtweite, bis Anna-Caroline Berger „Lauf“ ruft. Inzwischen ist es 11 Uhr und knapp zwei Stunden Fahrt kreuz und quer durch Hamburg liegen hinter ihr. An einem großen Schlüsselbund hängen mehr als 30 Schlüssel, denn die meisten Hunde sind allein zu Hause, wenn die 29-jährige sie abholt.
Eine einzige freie Leine schnallt sie sich um den Oberkörper, verstaut die Autoschlüssel in der linken, die Leckerlis in der rechten und das Handy in der Brusttasche ihrer wetterfesten Jacke. Dann stapft sie ihrem Rudel durch den Matsch hinterher.
Die unkastrierten Rüden bereiten ihr derzeit etwas Probleme. „Diese Frühlingsgefühle“, schimpft sie, während sie den aufdringlichen Charly zur Ordnung ruft. Dass er als Tibet-Spaniel eigentlich zu klein für so manche stolze Hundedame ist, nimmt er bei seinem überdimensionierten Ego gar nicht wahr. „Hunde wissen nicht, wie groß sie sind“, erklärt Anna-Caroline Berger und deutet auf Lobo, einen großen altdeutschen Schäferhund. „Der Rüde hat Zuchtverbot, weil er zu groß geraten ist. Aber weil er so schüchtern und ängstlich ist, denkt er, er würde in eine Streichholzschachtel passen.“ Tatsächlich versucht er sich immer wieder vergeblich hinter ihr zu verkriechen, was dazu führt, dass er ihr ständig zwischen die Beine läuft.
Das Fernstudium der Tierpsychologie hat sie inzwischen fast abgeschlossen. Aber das macht sie eigentlich nur, um ihren Kunden ein Zertifikat vorlegen zu können. „Was man wirklich für diesen Job braucht, habe ich von den Hunden gelernt“, sagt sie, während sie Charly erneut maßregeln muss. „In den Büchern stehen dann so Sachen, wie: Wenn der Hund ein leises Wuff-Geräusch von sich gibt, bedeutet es dieses. Oder: Wenn der Hund wohlwollend knurrt, meint er jenes. Wie sich Wuff und Knurr wirklich anhören, muss man erleben, nicht erlesen“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Dieses Gespür hat sie von Kindesbeinen an trainiert. Dass sie mit Tieren aufwuchs, ist dabei noch nicht einmal entscheidend. Sie hat als Kind angefangen, Tiere zu zeichnen. Zeichnen ist sehen. Und sie hat immer schon genau hingeschaut. Irgendwann hat sie dann auch verstanden. Aber vorher hat sie das Grafik-Design-Studium angefangen, weil sie ja so gut zeichnen konnte. Nach einigen Semestern merkte sie dann aber, dass die Arbeit am Computer nicht zu ihr passt. Sie ging seltener in die Uni, dafür häufiger mit Hunden spazieren. Zuerst nur mit den eigenen, dann aber auch mit denen ihrer Freundin und deren Chefin. Schließlich brach Anna Berger ihr Studium ab. Ihr war die Idee gekommen, einen professionellen Hunde-Ausführ-Dienst anzubieten. Zuerst wurden nur Zettel an Bäume gehängt, um auf ihren Service aufmerksam zu machen. Zu dieser Zeit fuhr sie noch mit den Hunden in der U-Bahn zu den Freilaufflächen in Hamburger Randbezirken. Schließlich aber meldete sie ein Gewerbe an, kaufte sich einen Transporter und richtete eine Internetseite ein. „Aber die bringt eigentlich nicht viel. Die beste Werbung ist immer noch der zufriedene Kunde.“ Und da Hundehalter ja glücklicherweise die Angewohnheit haben, in Begleitung ihres Vierbeiners mit wildfremden Leuten ins Gespräch zu kommen, funktioniert die Mund-zu-Mund-Propaganda ganz hervorragend.
Nach drei Stunden laufen, schwimmen und spielen kommt das Rudel wieder beim Auto an. Anna-Caroline Berger zählt noch einmal durch, ob auch alle da sind, bevor sie die Autotür zumacht und der VW Transporter wieder Richtung Stadt rollt. Dieses Mal jedoch ist es ganz ruhig im Laderaum.

